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Allianz: Gewinn knickt ein ++ Deutsche Post: Überschuss mehr als halbiert ++ EON: Innogy-Übernahme macht sich bezahlt

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Allianz: Gewinn knickt ein ++ Deutsche Post: Überschuss mehr als halbiert ++ EON: Innogy-Übernahme macht sich bezahlt

Der Dienstag hat es wieder in sich. Mit der Allianz, EON und der Deutschen Post veröffentlichen gleich 3 Dax Konzerne ihre endgültigen Zahlen. Durch die Corona-Pandemie haben ja fast alle Dax-Konzerne schon mit vorläufigen Zahlen auf die aktuelle Situation reagiert. Somit waren größere Überraschungen nicht mehr zu erwarten.

In den hinteren Reihen liegt der Fokus der Anleger auf den Aktien von Teamviewer und Thyssenkrupp. Um die Industrie-Ikone muss man sich mittlerweile ernsthafte Sorgen machen. Das ehemalige Dax-Mitglied ist weiter in den roten Zahlen gerutscht und jetzt wird wohl deutlich, dass die Sanierung ein Drahtseilakt ist, bei dem ein Sturz mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen werden darf. Vorstandsvorsitzende Martina Merz will in den kommenden Tagen dem Aufsichtsrat ihren Sanierungsplan vorlegen. Das dabei tatsächlich Eile geboten ist, zeigen die heutigen Zahlen. Da darf schon einmal die Frage aufkommen: Wie konnte es nur soweit kommen?

Stimmung bleibt weiterhin schlecht

Laut einer Umfrage von Verivox ist die Stimmung unter den Anlegern alles andere als positiv. Nach dem historischen Corona-Crash hat an der Börse eine Erholungsphase eingesetzt. Trotzdem glaubt über die Hälfte der Deutschen, dass die Kurse noch tiefer fallen werden. Das zeigt eine repräsentative Innofact-Umfrage im Auftrag von Verivox. Nur eine Minderheit (16 Prozent) rechnet damit, dass sich die Börsenkurse innerhalb eines Jahres erholen. Jeder fünfte (22 Prozent) vom Crash Betroffene stellt die Geldanlage an der Börse grundsätzlich in Frage.

Schnelle Erholung nicht angenommen

Obwohl der DAX allein im April rund ein Viertel seiner Verluste wieder ausgeglichen hat, glauben nur wenige an eine schnelle Erholung. 57 Prozent der Befragten rechnen damit, dass die Kurse noch einmal fallen. Eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent geht davon aus, dass es ein bis fünf Jahre dauern wird, bis die Börsen wieder ihr Vor-Krisen-Niveau erreichen. 11 Prozent sind der Ansicht, dass es sogar noch länger dauert. Mehr als jeder Zehnte (12 Prozent) glaubt überhaupt nicht an eine vollständige Erholung.

An der Entwicklung des deutschen Leitindex lässt sich die Umfrage nicht unbedingt ablesen. Vielleicht befolgt der Großteil der Anleger doch Warren Buffetts Leitspruch: „Sei gierig, wenn alle anderen ängstlich sind.“ Nur wie funktioniert das, wenn der Großmeister der Börse selbst ein wenig ängstlich zu sein scheint. Erst waren die Kurse zu hoch und nach dem Corona-Rücksetzer hat das Orakel von Omaha auch nicht zugeschlagen, sondern die Fluglinien komplett aus dem Portfolio von Berkshire Hathaway geschmissen. Das sieht nicht gerade gierig aus.

Dax startet im Minus

Der Dax hat am Dienstag seine zu Wochenbeginn erlittenen Verluste etwas ausgeweitet. Der deutsche Leitindex fiel um 0,45 Prozent auf 10.776,68 Punkte und entfernte sich damit weiter von der viel beachteten Marke von 11.000 Punkten. Tags zuvor war das Börsenbarometer fast an die runde Marke herangelaufen, dann aber zurückgeprallt. Es droht der zweite erfolglose Test binnen Wochen.

Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es am Dienstag um 0,23 Prozent auf 23 810,93 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte 0,39 Prozent ein.

„Die Vorsicht ist zurück“, fasste Marktstratege Michael McCarthy vom Handelshaus CMC Markets die Gemütslage der Anleger zum aktuellen Stand der Corona-Krise zusammen. „Die Investoren müssen erst den richtigen Ausgleich finden zwischen Lockerungsmaßnahmen auf der einen Seite und der zunehmenden Erkenntnis über das Ausmaß der Schäden für die Wirtschaft auf der anderen.“ Entsprechend durchwachsen fielen die Vorgaben von den Börsen in den USA und Asien aus.

Allianz: Corona-Virus macht sich in fast allen Sparten bemerkbar

Die Schäden und Marktturbulenzen infolge der Coronavirus-Pandemie haben bei der Allianz im Schaden- und Unfallgeschäft und in der Lebensversicherung deutliche Spuren hinterlassen. Im ersten Quartal brach der operative Gewinn im Jahresvergleich wie angekündigt um 22 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro ein, wie Europas größter Versicherer am Dienstag in München mitteilte. Der Überschuss sackte um 29 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro ab. Für eine neue Gewinnprognose für 2020 ist es aus Sicht von Vorstandschef Oliver Bäte weiterhin zu früh. Das ursprüngliche Ziel eines operativen Gewinns von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro sei aber wohl nicht zu erreichen.

Steigern konnte der Dax-Konzern seinen operativen Gewinn einzig im Fondsgeschäft seiner Töchter Pimco und Allianz Global Investors, wo das Ergebnis um fast 19 Prozent zulegte. In der Schaden- und Unfallversicherung – der größten Sparte – knickte das operative Ergebnis um 29 Prozent, in der Lebens- und Krankenversicherung um 25 Prozent ein.

Deutsche Post: Langfristziel steht noch

Die Folgen der Corona-Krise und das Aus für den Elektrotransporter Streetscooter lasten auf dem Gewinn der Deutschen Post. Unter dem Strich erwirtschaftete der Bonner Konzern im ersten Quartal 2020 einen Konzerngewinn nach Anteilen Dritter von 301 (Vorjahr: 746) Millionen Euro, wie er am Dienstag mitteilte. Der Umsatz legte von Januar bis März um 0,9 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro zu. Der Konzern hatte Anfang April seine Prognose für 2020 gekippt. Für das erste Quartal hatte die Post bereits ein vorläufiges Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 590 Millionen Euro genannt. Dies bestätigten die Bonner nun. Weiterhin gültig ist das mittelfristige Ziel eines Ebit von mindestens 5,3 Milliarden Euro für das Jahr 2022.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie und das Herunterfahren ganzer Volkswirtschaften rund um den Globus zu ihrer Eindämmung trifft auch die Logistik-Branche hart. Internationale Lieferketten stehen unter Druck, das belastet Konzerne, die die Warenströme zwischen den Kontinenten und Staaten transportieren. Auch die Konkurrenten FedEx und UPS haben ihre Prognose für das laufende Jahr über Bord geworfen.

EON: Jahresprognose hält trotz Verlust in Q1

Der Energieversorger hat im Tagesgeschäft im ersten Quartal von der Übernahme des Konkurrenten Innogy profitiert. Die höheren Kosten für die Integration zusammen mit weiteren negativen Effekten drückten den Essener Konzern jedoch unter dem Strich in die Verlustzone. Die Corona-Pandemie hatte in den ersten drei Monaten nur einen begrenzten Einfluss. Eon sieht dabei die Energiewirtschaft in einer vergleichsweise guten Position und bestätigte seine Jahresprognose.

So stieg das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Viertel auf knapp 1,5 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Dienstag in Essen mitteilte. Der Umsatz wurde mit 17,7 Milliarden Euro fast verdoppelt. Allerdings sind die Zahlen kaum miteinander vergleichbar. So ist Innogy erst seit Ende September vergangenen Jahres voll bei Eon konsolidiert. Dazu wird noch der Teil der erneuerbaren Energien in diesem Jahr an die frühere Innogy-Mutter RWE übertragen. Seine eigenen Geschäfte mit den Erneuerbaren hat Eon als Teil der groß angelegten Transaktion bereits zum 1. Oktober an RWE übergeben.

Das neue Kerngeschäft (Netze und Vertrieb) wurde im ersten Quartal durch die warme Witterung mit einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belastet, hieß es. So bekam Eon eine geringere Nachfrage im Erdgas- und Wärmegeschäft zu spüren. Die Corona-Pandemie wirkte sich zunächst nur begrenzt aus. So musste Eon ursprünglich für Kunden beschaffte Strommengen zu deutlich niedrigeren aktuellen Großhandelspreisen in Folge der Corona-Verwerfungen an den Energiemärkten abverkaufen. Dies betreffe das erste Quartal zunächst nur in geringem Umfang. Das Unternehmen geht jedoch von einem niedrigerem Bedarf für das Gesamtjahr aus und rechnet in diesem Zusammenhang mit einer Belastung im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich für 2020.

Innogy legte ebenfalls seine Zahlen für das erste Quartal vor und berichtete wegen des warmen Wetters ebenfalls von einer deutlich niedrigeren Gasnachfrage. Zudem habe Innogy gestiegene Netzentgelte und Großhandelspreise für Strom noch nicht voll an die Kunden weitergeben können. Innogy verzeichnete daher im Vertrieb ein niedrigeres bereinigtes Ebit als im Vorjahr. Auch im Netzgeschäft ging das Innogy-Ergebnis zurück, bedingt durch den Verkauf des tschechischen Gasgeschäfts.

Unter dem Strich fiel bei Eon ein Verlust von 327 Millionen Euro an, nach einem Gewinn von 387 Millionen vor einem Jahr. Hier belasteten Kosten für die Integration von Innogy. Dazu kamen negative Effekte aus der Marktbewertung von Derivaten, mit denen das Unternehmen Preisschwankungen absichert. Bereinigt um diese und weitere Effekte steigerte Eon seinen Nettogewinn um 6 Prozent auf 691 Millionen Euro.

Den Jahresausblick bestätigte Eon. Das bereinigte Ebit soll 3,9 bis 4,1 Milliarden und der bereinigte Konzernüberschuss 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro betragen. Dies wäre ein deutlicher Gewinnanstieg im Vergleich zum Vorjahr. Die Folgen der Corona-Pandemie für die Energiewirtschaft seien nach dem ersten Quartal jedoch noch nicht vollständig zu beurteilen.

Eon kündigte zudem zusätzliche Investitionen an. So will das Unternehmen zusätzlich 500 Millionen Euro für die klimafreundliche Modernisierung von Energieinfrastrukturen stecken.

Kurz & knapp:

Thyssenkrupp: Der in der Krise steckende Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp ist im zweiten Quartal des bis Ende September laufenden Geschäftsjahr 2019/20 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Die negativen Folgen der Corona-Pandemie belasteten vor allem das Automobil- sowie das Stahlgeschäft. Dazu machten sich Kosten für die Neuausrichtung bemerkbar. Besserung ist dabei nicht in Sicht. m zweiten Quartal fielen dabei nochmals deutlich höhere Verluste an als zum Jahresauftakt. So summierte sich das Minus im Konzern auf 948 Millionen Euro, nach einem Fehlbetrag von 173 Millionen Euro im Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilte. Im ersten Halbjahr häufte Thyssenkrupp damit ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro an. Der Umsatz sank in den drei Monaten per Ende März im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro. Der Auftragseingang fiel um 8 Prozent auf 9,5 Prozent. Beim bereinigten operative Ergebnis (Ebit) musste Thyssenkrupp einen Verlust von 80 Millionen Euro hinnehmen, nach einem Gewinn von 240 Millionen Euro im Vorjahr.

Teamviewer: Der Softwareanbieter hat in der Corona-Krise im ersten Quartal noch mehr Geschäfte machen können als ohnehin bereits in Aussicht gestellt. Die in Rechnung gestellten Einnahmen (Billings) kletterten im Vorjahresvergleich um 75 Prozent auf 119,7 Millionen Euro, wie das im MDax notierte Unternehmen am Dienstag in Göppingen mitteilte. Bisher hatte Teamviewer einen Anstieg um mindestens 60 Prozent angedeutet. Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie habe sich die Nachfrage nach Fernzugriffs- und Homeoffice-Lösungen bedeutend erhöht, sagte Vorstandschef Oliver Steil. Die Abonnentenzahl steigerte Teamviewer bis Ende März auf über 514.000 zahlende Kunden. Ende 2019 waren es noch 464.000. Teamviewer hob die Jahresprognosen an. Im Umsatz schlug sich die vor allem ab März erhöhte Nachfrage noch nicht so schnell nieder, weil die Billings erst im Laufe des Jahres als Umsätze gebucht werden. Der Erlös wuchs im ersten Quartal um 18 Prozent auf 102,7 Millionen Euro. Unter dem Strich sackte das Konzernergebnis vor allem wegen höherer Kosten für Werbung und Vertrieb sowie wegen erhöhter Aufwendungen für uneinbringliche Forderungen um über die Hälfte auf 12,1 Millionen Euro ab. 

Eckert & Ziegler: Der Medizin- und Strahlentechnik-Konzern hat das Geschäft im ersten Quartal dank der Nachfrage nach medizinischen Produkten und Dienstleistungen stabil halten können. Dagegen schwächelte die Nachfrage aus der Industrie. Insgesamt stieg der Konzernumsatz um 2 Prozent auf 44,5 Millionen Euro, wie das im SDax notierte Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte. Unter dem Strich stand wegen Währungsbelastungen und aufgrund geringerer Beiträge aus dem Bereich mit Isotopen-Produkten ein Gewinnrückgang von 14 Prozent auf 5,0 Millionen Euro. Der Vorstand sieht mit den Ergebnissen des ersten Quartals einen Boden erreicht, der auch das laufende Quartal prägen werde. Die Gewinnprognose bestätigte das Management ebenso wie den Dividendenvorschlag von 1,70 Euro je Aktie für das vergangene Jahr.

Corestate Capital: Die Coronavirus-Pandemie hinterlässt beim Immobilienverwalter deutliche Spuren in der Bilanz. Im ersten Quartal sei der Umsatz im Jahresvergleich um rund 12 Prozent auf 51,7 Millionen Euro zurückgegangen, wie das Unternehmen am Dienstag in Luxemburg mitteilte. Das operative Ergebnis (Ebitda) schrumpfte um rund 46 Prozent auf 20,9 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein bereinigter Konzerngewinn von 14,3 Millionen Euro, nach 26,3 Millionen Euro im Vorjahr. „Nach einem aussichtsreichen Jahresstart hat uns – wie viele andere Unternehmen auch – die Krise mit unerwarteter Härte getroffen“, sagte Corestate-Chef Lars Schnidrig laut Mitteilung. In kürzester Zeit sei das Unternehmen von einem aktiven Wachstumskurs auf die konsequente Eingrenzung unternehmerischer Risiken umgeschwenkt. In den vergangenen Wochen habe Corestate ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Liquiditätssicherung und Kostensenkung auf den Weg gebracht. Den Ausblick auf das laufende Jahr hatte Corestate Ende April gestrichen. Sobald die Folgen der Covid-19 Pandemie verlässlich einschätzbar seien und eine belastbare Planung möglich sei, werde Corestate voraussichtlich im dritten Quartal für 2020 einen aktualisierten Finanzausblick veröffentlichen. Der Investmentmarkt dürfte sich wieder 2021 normalisieren, glaubt das Management.

Von Markus Weingran / dpa-AFX / Reuters

Foto: multitel / shutterstock

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