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AUSBLICK 2020/Commerzbank: Deutschland wächst - Wettbewerbsfähigkeit erodiert

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Für die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung der Commerzbank die Gefahr einer Rezession vorerst gebannt. "Im kommenden Jahr ist eine Aufwärtsbewegung wahrscheinlicher als eine Rezession", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, am Freitag in Frankfurt. Allerdings sei in den kommenden Monaten ein eher schwaches Wachstum knapp über der Nulllinie zu erwarten. Ökonom Krämer sprach von einer "blutleeren wirtschaftlichen Aufwärtsbewegung".

Ab dem Frühjahr dürfte die deutsche Wirtschaft demnach etwas an Fahrt aufnehmen. Im kommenden Jahr rechnet die Commerzbank mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent. Allerdings spielt 2020 die ungewöhnlich hohe Zahl an Arbeitstagen eine wichtige Rolle. Bereinigt um diesen Effekt sei nur mit einem Wachstum von 0,4 Prozent zu rechnen. Für die Eurozone erwartet die Commerzbank ein etwas stärkeres Wachstum von 0,9 Prozent im kommenden Jahr und 1,1 Prozent im Jahr 2021.

Eine Ursache für das schwache Wachstum der heimischen Wirtschaft sieht Krämer in der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen, die seiner Einschätzung nach "erodiert". Der Standort Deutschland habe im internationalen Vergleich "massiv an Attraktivität verloren", stellte Krämer fest. Er verwies unter anderem auf langwierige Baugenehmigungen und Gerichtsverfahren sowie auf das komplizierte Steuerrecht.

Trotz der weiter schwachen konjunkturellen Entwicklung werde der deutsche Arbeitsmarkt keinen Schaden nehmen. "Der stabile Arbeitsmarkt wirkt wie ein Sicherheitsnetz für die deutsche Konjunktur", sagte Krämer. Der Ökonom verwies auf gut gefüllte Arbeitszeitkonten. Außerdem gebe es "bewährte Instrumente" wie zum Beispiel die Kurzarbeit, die den Arbeitsmarkt stützten.

Generell wird die Konjunktur darüber hinaus durch eine lockere Geldpolitik angetrieben, die für stärkeren Konsum sorge und die Bauwirtschaft anschiebe. Im kommenden Jahr rechnet Experte Krämer aber nicht mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB). Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde werde "die Füße im Zweifel stillhalten", wenn es nicht zu einem überraschenden konjunkturellen Einbruch kommen sollte.

Allgemein stützend hätten auch jüngste Zinssenkungen in den USA und in vielen Schwellenländern gewirkt. Wegen des massiven politischen Drucks auf die US-Notenbank Fed durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump rechnet die Commerzbank darüber hinaus auch im kommenden Jahr mit einer weiteren Zinssenkung durch die Fed.

Positiv für Deutschland und die Eurozone sei darüber hinaus, dass im kommenden Jahr nicht mit einer Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China zu rechnen sei. US-Präsident Donald Trump brauche für den anstehenden Präsidentschaftswahlkampf eine stabile Konjunktur und steigende Aktienkurse. "Deshalb strebt er mit China zumindest ein Teilabkommen an und dürfte gegenüber der EU bis auf weiteres auf Autozölle verzichten", sagte Krämer.

Die größte Belastung für die Weltwirtschaft sieht Krämer in der anhaltenden Konjunkturschwäche in China. Trotz zahlreicher Maßnahmen der Führung in Peking zur Ankurbelung der Wirtschaft seien die Konsumenten in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verunsichert. Unterm Strich stellte Krämer fest: "China wird auch 2020 als Konjunkturlokomotive ausfallen."/jkr/bgf/jha/

Zugehörige Werte

DAX 12.367,46 Pkt. -3,18% -407,42
Commerzbank 5,446 EUR -5,25% -0,30
Hang Seng 26.836,54 Pkt. +0,48% +128,85
Dow Jones 26.123,63 Pkt. -3,09% -833,96
Dollarkurs 0,910 EUR -0,92% 0,00
Eurokurs (Euro / Dollar) 1,098 USD +0,93% +0,01

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