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Die USA haben in einem „kalten Währungskrieg“ die besten Karten, sagt dieser Pimco-Analyst

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Die USA haben in einem „kalten Währungskrieg“ die besten Karten, sagt dieser Pimco-Analyst

Auf der offensichtlichen Ebene brodelt es zur Zeit an den Märkten wegen dem Handelskrieg zwischen China und den USA, sowie wegen der wachsenden politischen Spannungen mit dem Iran. Die direkten Auswirkungen sind Druck auf sämtliche global agierende Unternehmen, damit auch Druck auf die Konjunktur der jeweiligen Wirtschaftszonen, sowie steigende Ölpreise, die ihrerseits die wirtschaftlichen Spannungen verschärfen.

Was für ein Bild zeichnet sich ab, wenn man weiter herauszoomt und versucht, die Lage auf einer übergeordneteren Ebene zu betrachten? Es ist klar, dass China und die USA darum kämpfen, wer den Platz der Wirtschaftsmacht Nummer eins einnimmt. Auch die geopolitische Ebene spielt dabei eine Rolle. Die restlichen Player, wie beispielsweise die europäische Wirtschaftszone, versuchen eher, den Kollateralschaden, der auf sie abstrahlt, so weit wie möglich in Grenzen zu halten.

Die globale wirtschaftliche Stabilität bekommt Risse

Im Zuge dieses globalen Zerrens um die wirtschaftliche Oberhand zeigen sich immer mehr die deutlichen Risse an den Strukturen, die in den letzten Jahrzehnten durch die Globlalisierung, weltweite Handelsketten und eine sich immer mehr verzahnende Weltwirtschaft entstanden sind. Das „Bretton Woods“ System und dessen dahinterstehender Kern der wirtschaftlichen Stabilität löst sich immer mehr. Der Goldstandard ist schon lange passé, doch der starke Dollar, der durch seinen Status als Weltleitwährung bis heute der letzte Knoten im Netz ist, der für diese Stabilität sorgen soll, löst sich ebenfalls.

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Die Zeiten, in denen die Zentralbanken der Welt an einem Strang gezogen haben, neigen sich dem Ende zu. Einige Experten, darunter auch Joachim Fels, globaler Wirtschaftsberater bei Pimco, sprechen bereits von einem sich anbahnenden Währungskrieg. „Wir kommen eindeutig in die Situation zurück, in der sich jeder eine schwächere Währung wünscht. Niemand, keine Zentralbank, wünscht sich wirklich eine stärkere Währung, und deshalb ist es ein kalter Währungskrieg “, sagt Fels gegenüber dem Nachrichtendienst CNBC. (Pimco ist eine Investmentgesellschaft mit einem betreuten Vermögen von 1,844 Billionen Dollar)

Einer der Hauptauslöser ist die aggressive, auf Strafzölle ausgelegte Strategie von US-Präsident Donald Trump, deren Wirkung in mehr wirtschaftlicher Abschottung und eben in dem Versuch zu erkennen ist, die eigene Währung möglichst gegen den Dollar abzuwerten, um den Effekt der Strafzölle zu schwächen. Trump ist als erster Präsident von der amerikanischen Leitlinie des starken Dollars abgewichen und setzt sich verstärkt für einen schwächeren Dollar ein, um sein wirkungsvollstes Instrument auch weiterhin wirkungsvoll zu halten.

Die USA kann „kalten Währungskrieg“ gewinnen

Aus Sicht von Pimco-Berater Fels ist die US-Regierung jedoch in der Position, einen „kalten Währungskrieg“ zu gewinnen. Er stellte fest, dass US-Präsident Donald Trump kurz nach seiner Wahl Anfang 2017 mit Finanzminister Steven Mnuchin über die Notwendigkeit eines schwächeren Dollars gesprochen hat. In der Folge schwächte sich der Dollar das ganze Jahr über ab. „Dasselbe könnte erneut passieren, zumal die Fed offensichtlich mehr Spielraum für Zinssenkungen hat als die Europäische Zentralbank oder die Bank of Japan“, sagte Fels. Die FED hält ihren Zins bisher auf einem Wert zwischen 2,25 und 2,5 Prozent. Im Euroraum sind es 0 Prozent, in Japan sogar zwischen 0 und minus 0,1 Prozent.

Der „kalte Währungskrieg verschärft sich“, sagte Fels und stellte fest, dass die US-Notenbank und die Bank of Japan die Zinsen voraussichtlich bald senken werden. Analysten sehen es auch als wahrscheinlich an, dass die EZB die Leitzinsen im Laufe dieses Jahres senken wird.

Bei der FED wird laut Fels die spannende Frage sein, nicht ob, sondern um wie viel der Leitzins gesenkt werden soll. Der Berater sieht durchaus eine Bereitschaft der US-Notenbank, mit einer Erhöhung von 50 Basispunkten etwas aggressiver vorzugehen.

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Die langfristigen Auswirkungen?

Kurz- bis mittelfristig mag eine solche Strategie vielleicht aufgehen, aber langfristig droht die Stellung des Dollar als Weltleitwährung – und damit auch ein großer Teil der wirtschaftlichen, wie politischen Macht der USA – jedoch verloren zu gehen. Die Auswirkungen sind bereits spürbar:

Nach Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist der Anteil des Dollar an den offiziellen Währungsreserven der Welt im vierten Quartal 2018 von 62 Prozent auf 61,7 Prozent gefallen. Der Anteil des Dollar ist seit mehreren Quartalen rückläufig und hat das niedrigste Niveau seit dem Jahr 2013 erreicht. Noch im Jahr 2015 stand der Dollar für 66 Prozent der Reserven.

Profitiert hat vor allem der Euro, dessen Anteil von 20,5 auf 20,7 Prozent stieg. Das war der höchste Wert seit dem Jahr 2014. Sein Anteil an den SWIFT-Transaktionen zwischen 11.000 Banken und anderen Finanzdienstleistern in 200 Ländern ist inzwischen wieder auf 35 Prozent gestiegen. Der Dollar kommt nur noch auf rund 39 Prozent. Aber auch der chinesische Yuan wird, trotz der Dämpfung durch den Handelsstreit, international immer wichtiger.

Kurzfristig liegt es im Interesse der wirtschaftlichen Gegenspieler, die eigene Währung möglichst schwach zu halten, da es sich damit weit besser durch den Zoll-Sturm segeln lässt. Langfristig ist jedoch bereits der Ansatz eines Trends erkennbar, sich vom US-Dollar abzukoppeln. Egal, wie dieser Handelsstreit ausgehen wird, die globale Wirtschaftsstruktur scheint auf eine neue Ära zuzusteuern. Ein weiteres Indiz dafür ist das Libra-Projekt von Facebook, dessen Ankündigung seine Wellen durch die weltweiten Medien geschickt und die offiziellen Stellen in helle Aufruhr versetzt hat. Das Währungssystem an sich steht auf fundamentaler Ebene in den Anfängen eines großen Wandels.

Von Alexander Mayer

Titelfoto: welcomia / Shutterstock.com

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