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Marktausblick Woche 13: Die antivirale Bazooka

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Das Update zur Woche mit Dr. Martin Lück






BlackRock Marktausblick 24. März 2020


Die Coronaviruskrise ist mit voller Wucht angekommen. In allen Bereichen beginnen Menschen, die neue Realität anzunehmen. Familien reorganisieren ihr Leben, viele Berufstätigkeiten wurden ins Home Office verlagert, und mehr oder weniger alle arbeiten diszipliniert am „Abflachen der Kurve“ mit. An den Finanzmärkten äußert sich das Ankommen in der neuen Wirklichkeit darin, dass der teils konfuse, erratische Handel der letzten Wochen zielgerichteter geworden zu sein scheint. Anleger versuchen, so rational wie möglich die alles entscheidende Gleichung mit zwei Unbekannten zu lösen, wobei X die Tiefe der Rezession darstellt, und Y die Länge. Besonders problematisch dabei ist, dass X und Y eng zusammenhängen.

Auch die Wirtschaftspolitik hat den Ernst der Lage erkannt. Nachdem schon in den vergangenen Wochen die Zentralbanken mit riesigen Ankaufprogrammen, Zinssenkungen und erleichtertem Zugang zu Liquidität versuchten, das ihre zu tun, hat nun auch die Fiskalpolitik nachgezogen. In den USA hängt ein von der Trump-Regierung geplantes Stützungsprogramm im Gesamtumfang von 1,2 Billionen US-Dollar derzeit im Kongress fest. Ganz so einfach wollen es die Demokraten dem Präsidenten, den sie am 3. November gern ablösen möchten, natürlich nicht machen und versuchen daher, dem Paket eine demokratische Handschrift zu geben. Bis es auf den Weg kommt, könnte also noch etwas Zeit vergehen. Zeit, die Donald Trump nicht hat, denn kaum etwas kann seine Wiederwahl so sehr gefährden wie die Coronakrise.

Auch in Deutschland hat die Bundesregierung angesichts der Bedrohung durch die Pandemie das Prinzig Prinzip „Think Big“ entdeckt. 50 Mrd. Euro für direkte Unterstützung von Firmen und Einzelunternehmern, 3 Mrd. Euro für Krankenhäuser, ein 400 Mrd. großer Garantiefonds für Unternehmenskredite und viele weitere Maßnahmen machen einen Nachtragshaushalt in Höhe von rund 4% des BIP notwendig. Von der Möglichkeit, die Schuldenbremse auszusetzen, wird dabei ebenso selbstverständlich Gebrauch gemacht wie davon, die „Schwarze Null“ nicht länger als Leitlinie der Politik zu verfolgen. Dass letzteres schon jetzt zu erheblichen Problemen führt, macht sich gerade in der Krise schmerzhaft bemerkbar, denn nicht nur die kommunale Infrastruktur, die über viele Jahre mit schrumpfenden Budgets auskommen musste, ächzt nun in allen Fugen, sondern auch die Unterinvestitionen in den Digitalausbau fällt der Regierung zu einer Zeit, in der menschliche Interaktion zu einem erheblichen Teil über Datenleitungen stattfindet, mit Applomb auf die Füße. Wenn also Merkel & Co. jetzt sichtbar in den Krisenmodus geschaltet haben, dann dürfte in Berlin ebendso deutlich geworden sein, wie sehr die Sparpolitik der letzten zehn Jahre das Land dem Risiko eines unerwarteten, tiefen Schocks ausgeliefert hat.

Die Suche nach dem Boden der Rezession wird derweil zur Königsdisziplin der Volkswirte, aber was wie solide ökonomische Datenanalyse ausssieht ist wohl eher ein Stochern im Nebel. Zahlen von den Mutigen, die sich mit Prognosen heraustrauen, sehen dramatisch aus. So hat die von uns sehr geschätzte UBS Investmentbank ihre BIP-Schätzung für China für das Jahr 2020 auf 1,5% revidiert. Wohlgemerkt: Bis dato waren wir für China, das die Epidemie ja weitestgehend hinter sich hat, Größenordnungen von rund 6% gewohnt. Für Singapur, das es ebenfalls geschafft hat, den Coronavirusausbruch einzudämmen, wird gar eine Kontraktion um 7% erwartet, für Europa um 4,5%. Für die USA, wo die volle Wucht der Epidemie wohl erst in ein paar Wochen zu sehen sein wird, betrug die Schätzung für das zweite Quartal -10%. Das sind apokalyptische Zahlen, und dennoch sind sie vermutlich noch nicht ausreichend, um das wahre Ausmaß abzubilden, außerdem höchstwahrscheinlich nach wenigen Tagen bereits wieder überholt. Die Analysten der ebenfalls hochgeschätzten Investmentbank Morgan Stanley haben Anfang dieser Woche das US-BIP in Q2 auf -30% veranschlagt.

Was das für Anleger bedeutet

Für Entwarnung erscheint es vor allem angesichts des noch kaum absehbaren, vermutlich aber haarsträubenden ökonomischen Schadens in den USA und anderswo noch zu früh. Gerade die schnell steigenden US-Fallzahlen - am gestrigen Montag hatte sich die Zahl der Infizierten gegenüber dem Vormontag fast verzehnfacht - deuten auf einen Corona-Tsunami hin, der auf ein völlig unzureichendes Gesundheitssystem trifft. Dabei dürften die tatsächlichen Fallzahlen noch deutlich höher sein, denn in den USA wurden bisher - Stand gestern - nur 254.000 Tests durchgeführt - bei einer Bevölkerung von über 330 Millionen. Das Risiko also, dass die Zahlen bzgl. Epidemieverlauf und ökonomischen Konsequenzen noch deutlich schlechter werden, dürfte also größer sein als die Hoffnung auf baldige Besserung. Für Anleger, die auf Gelegenheit zum Einsteigen warten, vielleicht ein Grund, ihr Pulver eher noch trocken zu halten.





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