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So erzielt man besonders hohe Renditen

Bernd Schmid

In der letzten Woche habe ich einen Podcast von Autor Tim Ferris gehört, in dem er den sehr erfolgreichen Investor Howard Marks interviewte. Wer sich die fast zwei Stunden Zeit nehmen kann und die Lust dazu hat, dem kann ich das Gespräch nur empfehlen.

So erzielt man besonders hohe Renditen

Es gab jedoch vier Aussagen von Marks, die es besonders in sich haben. Die ersten zwei Aussagen betreffen Marks’ Erkenntnis, was erfolgreiche Investoren ausmacht, und mit zwei weiteren geht er darauf ein, wann und wie man besonders attraktive Renditen erzielen kann. Jeder Anleger sollte sich diese Erkenntnisse zu Herzen nehmen und seinen Investitionsstil entsprechend ausrichten.

Die eine Eigenschaft, die alle erfolgreichen Investoren auszeichnet

Ferris fragte Marks, was die erfolgreichsten Investoren gemeinsam hätten. Marks antwortet mit Bezug auf die erfolgreichsten Anleger, die er persönlich kennt (darunter auch ein gewisser Herr Warren Buffett):

„Sie handeln emotionslos.“

Und genau das macht am Ende tatsächlich den Unterschied. Es spielt zum Beispiel kaum eine Rolle, welchen IQ man hat, und in der heutigen Zeit auch kaum, welche Informationsquellen man besitzt (es sei denn, man hat Insiderinformationen, allerdings ist das Handeln auf dieser Basis illegal). Ein hoher IQ und die besten Informationsquellen helfen nicht, wenn alle Marktteilnehmer in Panik ausbrechen, weil die Wirtschaft vermeintlich vor dem Abgrund steht.

Grundsätzlich hat also fast jeder normale Anleger unter uns die Voraussetzungen, ein großartiger Investor mit hervorragenden Renditen zu werden. Allerdings gibt es dann doch einen Haken. Laut Howard Marks:

„Sich das selbst beizubringen bedeutet, der Natur des Menschen entgegenzuwirken. Ich weiß nicht, ob Menschen sich selbst beibringen können, emotionslos zu sein.“

Meine persönliche Erfahrung bestätigt das, und ich vermute auch die Erfahrung praktisch aller Anleger, die sich an der Börse tummeln. Es geht einfach nicht spurlos an einem vorüber, wenn man eine Aktie kauft und diese direkt danach in den Keller rauscht, weil ein Wettbewerber auf einmal ein viel besseres Produkt auf den Markt gebracht hat, dass einem das Geschäft wahrscheinlich wegnimmt. Dann mit einem Verlust zu verkaufen, das muss man erst einmal durchziehen. Oder die Aktie steigt in wenigen Wochen um 50 % aufgrund höchst erfreulicher Nachrichten, zum Beispiel weil ein Medikament eines Biotech-Unternehmens die Zulassung erhalten hat. Viele Anleger neigen dann doch zu Gewinnmitnahmen, selbst wenn die Aktie aufgrund der Neuigkeiten eigentlich noch mehr unterbewertet ist als vor dem Kauf.

Solche und ähnliche oder noch gravierendere emotional getroffene Entscheidungen sind es, die den meisten durchschnittlichen Anlegern die möglichen Renditen verhageln. Und da es, wie Marks es ausdrückt, gegen die Natur des Menschen geht, diese Entscheidungen rational zu treffen, können sich die allerwenigsten Anleger vom Durchschnitt abheben.

Es gibt jedoch ein paar Dinge, die man tun kann, um das eigene Biest zumindest etwas in den Griff zu bekommen. Das grundlegendste davon ist, vor dem Kauf zum Beispiel einer Aktie

die Investitionsthese und die Risiken ganz konkret aufzuschreiben und
sich vorzunehmen, genau das vor einer folgenden Entscheidung (zum Beispiel wenn man über den Verkauf der Aktie nachdenkt) noch einmal durchzulesen und den Verkauf der Aktie nur dann vorzunehmen, wenn sich tatsächlich etwas Grundlegendes geändert hat.

Bei letzterem können uns unsere inneren Triebe noch immer einen Strich durch die Rechnung machen. Meine Erfahrung ist, dass man zwar nicht lernen kann, emotionslos zu sein. Dafür aber kann man doch lernen, seine eigenen Emotionen besser einzuschätzen ‒ und zumindest nach und nach sein Handeln weniger davon beeinflussen zu lassen.

Unter welchen Umständen man die höchsten Renditen erzielen kann

Marks sagte in dem Interview Folgendes:

„Die besten Schnäppchen macht man, wenn die Messer fallen. Wenn sich der Staub gelegt hat, ist es bereits zu spät.“

Das ist ein ganz konkreter Fall, in dem einem die Emotionen in der Regel einen Strich durch die Rechnung machen. Man hört im Zusammenhang mit fallenden Kursen nicht umsonst häufig, dass man „nicht in ein fallendes Messer greifen“ soll.

Marks siehst es offensichtlich anders. Und das ist auch logisch, denn je geringer die Kurse sind, desto höher ist die erwartete Rendite. Die besten Renditen am Aktienmarkt in den letzten zehn Jahren konnte man genau Anfang 2009 erzielen. Aber die wenigsten sind genau während dieses Zeitraums voll in den Aktienmarkt eingestiegen ‒ was auch verständlich ist, zu krass waren die Messer über ein Jahr lang am Fallen.

Allerdings hat Marks für eine solche Situation einen guten Tipp parat:

„Es ist nicht leicht. Es ist Furcht einflößend. Wir müssen einander unterstützen.“

Wenn alle mit dem Strom schwimmen und ihre Aktien veräußern, weil das Finanzsystem am Abgrund steht, dann ist es definitiv Furcht einflößend, genau zu diesem Zeitpunkt zu sagen: „Hey, ihr habt alle unrecht, die Welt wird sich weiterdrehen und die Wirtschaft wird wieder wachsen, ich kaufe jetzt Aktien, als Einziger.“

Deutlich einfacher wird es, wenn man andere Anleger kennt, die die eigene Ansicht teilen, mit denen man sich zusammenschließen und gemeinsam dem starken Strom entgegenschwimmen kann.

Was dabei natürlich auch wichtig ist, ist, dass man nicht einfach blind kauft, nur weil alle anderen verkaufen. Besonders bei einzelnen Aktien gibt es oft Gründe, weshalb ein Verkauf sinnvoll ist. Dann hat es wenig Sinn, sich einfach aus Prinzip gegen alle anderen zu stellen.

Man braucht daher immer Argumente für die eigene Position und sollte gleichzeitig vor einer Entscheidung auch die Argumente der Gegenseite berücksichtigen. Wenn es in solchen Situationen Anleger mit ähnlichen Ansichten gibt, dann fällt es doch leichter, entsprechend zu handeln ‒ und so Renditen einzufahren, die sehr vielen anderen entgehen.

Foto: Number1411 / Shutterstock.com

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