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Trump lässt Milliarden-Übernahme in Chipbranche platzen

Reuters

- von Diane Bartz

Washington (Reuters) - Mit einem Federstrich hat US-Präsident Donald Trump einen der teuersten Zukäufe aller Zeiten zunichte gemacht: Er verbot dem in Singapur ansässigen Halbleiterkonzern Broadcom die 117 Milliarden Dollar schwere Übernahme des amerikanischen Handy-Chipherstellers Qualcomm.

Trump begründete sein Veto mit Sorgen um die nationale Sicherheit, ohne Details zu nennen. Die Regierung befürchtete laut einem Mitarbeiter im Weißen Haus, dass die USA vor allem gegenüber China ins Hintertreffen geraten könnten - bei der Entwicklung künftiger Mobilfunktechnologie, die die zunehmende Vernetzung von Geräten, Fahrzeugen oder Industrieanlagen ermöglicht. Insider hatten gemutmaßt, Broadcom könne nach der Übernahme Teile von Qualcomm an den chinesischen Rivalen Huawei weiter verkaufen.

Trump verwies in dem von ihm am Montag unterzeichneten Erlass auf "glaubhafte Hinweise", wonach auf die Übernahme von Qualcomm durch Broadcom womöglich Schritte folgen könnten, die die Sicherheit der USA gefährdeten. Er schloss sich einer Einschätzung des US-Komitees CFIUS an, das für die Überprüfung ausländischer Investitionen in den Vereinigten Staaten zuständig ist. Dieses hatte unter anderem Qualcomms führende Rolle bei der Entwicklung der nächsten Mobilfunkgeneration 5G betont: Es könnte sich negativ auf die nationale Sicherheit der USA auswirken, sollte China bei diesem Standard eine dominierende Rolle einnehmen. Die Volksrepublik will eine eigene Halbleiter-Industrie entwickeln und sich damit von ausländischen Anbietern wie Qualcomm und Intel aus den USA oder Samsung aus Korea unabhängiger machen.

Qualcomm und Huawei konkurrieren bei der Technik für den Mobilfunkstandard 5G, der die Übertragung riesiger Datenmengen in Echtzeit möglich macht, ohne die autonome Fahrzeuge oder digitale Fabriken nicht zuverlässig funktionieren. Huawei ist zudem laut Marktforschungsfirma Gartner der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt, nach Samsung und Apple. Der US-Hersteller Qualcomm und der in Asien angesiedelte Wettbewerber Broadcom zählen zu den weltgrößten Halbleiterherstellern und bieten beide Handychips an, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Qualcomm versorgt Anbieter wie Apple, Samsung oder LG mit sogenannten Modem-Chips, die die Telefone mit drahtlosen Daten-Netzwerken verbinden. Broadcom liefert denselben Smartphone-Konzernen WiFi-Chips, die allerdings eher als Standardprodukte gelten und deshalb deutlich günstiger sind als Modem-Chips.

Ginge die geplante feindliche Übernahme durch, entstünde ein Chipgigant, dessen Umsatz laut Gartner nur noch von den beiden Marktführern Samsung und Intel übertroffen würde. Qualcomm will zudem den niederländischen Wettbewerber NXP schlucken. In der Chipbranche grassiert seit geraumer Zeit das Fusionsfieber, denn Forschung und Entwicklung werden immer teurer - auch angesichts neuer Halbleiter für 5G. In Medienberichten wurde bereits spekuliert, dass Intel im Kampf um Marktanteile auch über eine Übernahme von Broadcom nachdenkt.

TRUMP FRÜHER ÜBER BROADCOM: EIN GROSSARTIGES UNTERNEHMEN

Es ist das bislang fünfte Mal, dass ein US-Präsident eine Übernahme auf Basis von Bedenken des CFIUS-Komitees blockiert hat. Trump verbot zum zweiten Mal einen Deal, seit er im Januar 2017 sein Amt antrat. Kurz darauf scheiterte Deutschlands größter Halbleiterhersteller Infineon mit dem Kauf von Wolfspeed an Sicherheitsbedenken. Weil der US-Konkurrent auch militärische Anwendungen bedient, platzte der 850-Millionen-Dollar-Deal.

Gegen die Qualcomm-Übernahme hatte sich auch im US-Kongress Widerstand formiert. Vergangene Woche versicherte Broadcom in einem Brief an den Kongress, keine für die nationale Sicherheit wichtigen Geschäftsbereiche an ausländische Unternehmen zu verkaufen. Vor einigen Monaten hatte Broadcom-Chef Hock Tan zudem bei einem Besuch im Weißen Haus im Beisein von Trump angekündigt, den Unternehmenssitz demnächst in die USA zu verlegen. Der US-Präsident lobte Broadcom damals als "ein wirklich großartiges, großartiges Unternehmen".

Das jetzt verhängte Übernahme-Verbot will der Konzern prüfen. Der Annahme, dass durch den Zukauf die US-Sicherheit gefährdet werde, stimme man nicht zu, teilte Broadcom mit. Einspruch gegen Trumps Entscheidung ist nicht möglich. Allerdings ist nicht klar, wie Broadcom vorgehen könnte, wenn der Sitz einmal in die USA verlegt ist. Ein Experte, der anonym bleiben wollte, sagte, der Konzern könnte womöglich dann geltend machen, dass er nicht mehr unter die Zuständigkeit des CFIUS-Komitees falle.

Der Halbleiterhersteller Qualcomm, der die 117-Milliarden-Offerte zurückgewiesen hatte, teilte mit, die wegen der Prüfung durch das CFIUS-Komitee verschobene Jahreshauptversammlung nun am 23. März abzuhalten. Im vorbörslichen US-Handel gab die Aktie um fast fünf Prozent nach auf 59,75 Dollar. Das ist der niedrigste Kurs seit Anfang November, als bekannt wurde, dass Broadcom an Qualcomm interessiert ist. Broadcom-Aktien sind kaum verändert indiziert bei 264 Dollar.

Zugehörige Werte

Qualcomm 57,62 USD -0,80% -0,47
Dow Jones 24.100,51 Pkt. -2,02% -496,87
Hang Seng 26.077,00 Pkt. -1,58% -418,67
Samsung 715,00 USD -3,37% -25,00
GARTNER INC 139,13 USD -3,57% -5,16
Intel 47,86 USD -0,89% -0,43

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