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Volks- und Raiffeisenbanken bleiben auf Schrumpfkurs

Reuters

Frankfurt (Reuters) - Die Zahl der Genossenschaftsbanken in Deutschland fällt und fällt.

Wie der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) am Dienstag in Frankfurt mitteilte, gab es Ende vergangenen Jahres noch 915 genossenschaftlich organisierte Institute zwischen Schwarzwald und Ostsee - 57 weniger als ein Jahr zuvor. 2016 hatte die zahlenmäßig größte Institutsgruppe in Deutschland - weit vor den Sparkassen und Privatbanken - erstmals weniger als 1000 Geldhäuser gezählt, 49 weniger als 2015. Zum Vergleich: Zur Jahrtausendwende hatte es noch 1800 Volks- und Raiffeisenbanken gegeben, in den 1970er-Jahren 7000. Grund für den Schwund sind meist Fusionen unter den teilweise sehr kleinen Banken. Alleine für dieses Jahr sind bereits 47 Zusammenschlüsse angemeldet.

Unter dem Strich betrieben die verbliebenen Institute - neben den klassischen Volks- und Raiffeisenbanken gehören auch die Sparda-Banken und die PSD-Banken sowie genossenschaftliche Sonderinstitute zu der Gruppe - im vergangenen Jahr hierzulande noch rund 11.100 Filialen. Fünf Jahre zuvor waren es noch mehr als 13.000, kurz nach der Wiedervereinigung Anfang der 1990er-Jahre mehr als 20.000. Der Abwärtstrend werde sich fortsetzen, allerdings dürfte das Tempo kurzfristig etwas nachlassen, sagte die seit Jahresbeginn amtierende BVR-Präsidentin Marija Kolak. Sie betonte: "Das ist aber kein Rückzug aus der Fläche, weil wir auch neue Formate anbieten."

KEINE GENOSSENSCHAFTLICHE DIREKTBANK

Dazu gehören unter anderem automatisierte Servicestellen ohne Personal und digitale Angebote für die rund 30 Millionen Kunden der Kreditgenossen - das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone zum Beispiel wird bei zwei Instituten derzeit getestet. Ungeachtet der neuen Möglichkeiten bleibe ein dichtes Fililalnetz zentral. "Eine genossenschaftliche Direktbank wird es nicht geben", sagte Kolak, die vor ihrem Wechsel zum Verband bei der Berliner Volksbank Karriere machte. Ende vergangenen Jahres beschäftigten die Kreditgenossen 146.500 Menschen, drei Prozent weniger als 2016. Nach Angaben des BVR ist der Rückgang nahezu ausschließlich darauf zurückzuführen, dass Mitarbeiter, die in Rente gingen, nicht ersetzt wurden.

Wirtschaftlich geht es den Kreditgenossen ungeachtet der niedrigen Zinsen gut. Der Jahresüberschuss lag unter dem Strich bei knapp 1,6 Milliarden Euro, leicht über dem Vorjahreswert von 1,52 Milliarden Euro. Zu verdanken war dies unter anderem der anhaltend robusten Konjunktur in Deutschland und nicht zuletzt dem Immobilienboom. Entsprechend legte die Summe der privaten Wohnungsbaukredite um 5,2 Prozent auf 233 Milliarden Euro zu. Für Kolak ein Grund zur Freude: "Damit stammt fast jeder vierte Euro bei Wohnungsbaufinanzierungen in Deutschland von einer Genossenschaftsbank."

Neben dem Kredit- und Hypothekengeschäft hatten Gebühren für Kontoführung und Zahlungsverkehr großen Anteil daran, dass die Genossenschaftsbanken dem seit Jahren anhaltenden Zinstief Paroli bieten konnten. Hinzu kamen steigende Einnahmen aus dem Geschäft mit Wertpapieren und Fonds, weil immer mehr Kunden wegen der ultra-niedrigen Zinsen nach alternativen Möglichkeiten der Geldanlage suchen. Der Provisionsüberschuss kletterte entsprechend um 8,1 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Parallel stieg die Höhe der Kundeneinlagen trotz der extrem geringen Verzinsung auf 662 (2016: 637) Milliarden Euro - das Gros davon steckte in kurzfristig auflösbaren sogenannten Sichteinlagen.

Auch die knapp 400 deutschen Sparkassen hatten im vergangenen Jahr dank der wachsenden Kreditvergabe, höheren Gebühren und dem florierenden Wertpapiergeschäft mehr verdient. Bei ihnen kletterte der Gewinn um 7,4 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

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