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Wirecard-Aktie: Dax-Aufstieg ist ein teurer Erfolg – Zumindest für die Anleger

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Wirecard-Aktie: Dax-Aufstieg ist ein teurer Erfolg – Zumindest für die Anleger

Ob der Bezahldienstleister aus Aschheim seinen Aufstieg in die höchste Börsenliga bereut? Der bisherige Kursverlauf in der höchsten deutschen Börsenliga lässt es zumindest vermuten. Als das Papier von Wirecard am 24. September 2018 in den Dax aufstieg, notierte es bei etwa 182 Euro. Heute liegt die Aktie etwa 2,5 Prozent im Plus und notiert knapp unter 100 Euro. In der Spitze hat sich der Kurs des Bezahldienstleisters in der höchsten deutschen Börsenliga in etwa halbiert.

Chart Wirecard seit Dax-Aufnahme

Viele Leiden mit

Wirecard ist mit einer Gewichtung von 1,8 Prozent zwar kein Schwergewicht im Dax, trotzdem macht sich ein so deutlicher Kurssturz in der Performance des deutschen Leitindex bemerkbar. Sicherlich würde eine solche Entwicklung bei der Allianz oder SAP, die beide über 9 Prozent des Dax-Kuchens abbilden, deutlicher bemerkbar machen, aber das ist ein schwacher Trost für Anleger die direkt investiert waren oder aktive/passive Fondsprodukte auf den Leitindex im Depot haben.

Wirecard bestens geeignet für solche Angriffe

Es ist nicht das erste Mal, dass Wirecard sich solchen Vorwürfen ausgesetzt sieht. Bereits im Februar 2016 wurde der Bezahldienstleister Opfer einer sogenannten „Short-Attacke“. Das bis dahin eher unbekannte Research-Haus Zatarra erhob in einer gut verpackten „Fake-Studie“ diverse Vorwürfe gegen Wirecard. Unter anderem war die Rede von Geldwäsche bei einer britischen Tochterfirma. Die Anleger waren damals schon verunsichert und der Kurs brach um rund ein Viertel ein. Das Manager-Magazin titelte damals „Black-Box Wirecard – Das Geschäftsmodell, das keiner versteht.“ Nachdem die „Short-Attacke“ ausgestanden war, versprach Wirecard bezüglich des Geschäftsmodells mehr Licht ins Dunkel der Anleger zu bringen. So richtig geklappt hat das mit der Transparenz aber wohl nicht, sonst hätten die Anleger wohl nicht erneut felißig Reißaus genommen.

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Diesmal geht es um eine Tochterfirma in Singapur

Jetzt kommen die Vorwürfe nicht von einer unbekannten Adresse, sondern von der „Financial Times“. Die Vorwürfe hören sich ähnlich an. Es soll auffällige Zahlungsströme gegeben haben und der Vorstand soll es teilweise gewusst haben, berichtet die Wirtschaftszeitung online. Genau wie 2016 streitet Wirecard die Vorwürfe als unbegründet ab und verweist sie ins Reich der Fabelwesen. Allerdings haben alle Statements des Bezahldienstleisters die Anleger nur kurzfristig beruhig. Seit dem ersten Artikel sind die Anleger erneut verunsichert und trennen sich von den Aktien. Und unterm Strich hat Wirecard seit dem ersten Artikel 9 Milliarden Euro an Börsenwert eingebüßt. Erneut ließ sich auf der „Short-Seite“ gutes Geld verdienen.

Vorwürfe wahrscheinlich unbegründet, aber im Raum

Die Financial Times hat sich vor der Berichterstattung sicherlich nicht mit einem Haufen Geld auf der Short-Seite positioniert. Aber der Redakteur der Zeitung hat herausgefunden, dass Wirecard selbst etwas Auffälliges in Singapur entdeckt hat und es verfolgt. Diese Nachricht hat er bzw. die „Financial Times“, sehr zum Leidwesen der Anleger, geschickt medial ausgeschlachtet. Mit einer Art Zwiebeltaktik hat die Financial Times ihre Informationen Schicht für Schicht an die Öffentlichkeit gebracht. Das Ganze noch mit ein paar Spekulationen gepfeffert und wirksame Schlagwörter wie Bilanz-Skandal oder auffällige Zahlungen eingesetzt. Das Paket hat seinen Sinn erfüllt. Aufmerksamkeit für die Wirtschaftszeitung, Verunsicherung bei den Anlegern.

Wirecard bestätigt einen Verdachtsfall   

Erst nach dem zweiten Artikel ist Wirecard in die Offensive gegangen. Dabei musste der Bezahldienstleister allerdings einräumen, dass tatsächlich in Singapur von der Kanzlei Rajah & Tann ermittelt wurde, vielleicht sogar noch wird. Wie heißt es so schön: In jedem Gerücht steckt ein bisschen Wahrheit. So auch in diesem Fall. Es gab Ermittlungen und sie sind noch nicht abgeschlossen. Bis es soweit ist, wird fleißig spekuliert. Vorstandschef Markus Braun hat zwar schon mehrfach beteuert, dass alle zuständigen Mechanismen bei Wirecard gegriffen haben und das bislang nichts Auffälliges gefunden wurde, aber zu 100 Prozent kann er den Fall nicht aus der Welt schaffen. Laut einem Interview mit der Nachrichten-Agentur Bloomberg kann es sich allerdings „nur noch um Wochen“ handeln, bis der Bericht fertiggestellt ist. Wochen, die noch schmerzhaft für Wirecard und die Anleger werden könnten.

Braun unterstellt böse Absicht

„Wir denken, dass wurde alles getan, um Druck auf den Aktienkurs auszuüben“, sagt der Wirecard-Chef gegenüber der Nachrichten-Agentur Boomberg. War das wirklich die Absicht oder ist es nur die logische Konsequenz aus den erhobenen Vorwürfen. Sollte sich Wirecard nicht fragen, warum der Konzern immer wieder solchen Attacken bzw. Anschuldigungen ausgesetzt ist? Gibt es keinen Weg dieses Problem einzudämmen? Wir reden hier ja mittlerweile nicht mehr von einem kleinen aufstrebenden Fintech-Unternehmen, sondern von einem Dax-Konzern, der die zweitgrößte Bank in Deutschland aus dem Dax verdrängt hat.

Ehrlich währt am längsten

Bei den ganzen Dementis aus dem Hause der Aschheimer ist nie die Rede davon gewesen, dass es für die Ermittlungen wichtig war den Fall geheim zu halten oder dass es den Ermittlungen geschadet hätte, wenn das Problem an die Öffentlichkeit gelangt wäre. Hätte Wirecard den Fall selber an die Öffentlichkeit gebracht, dann wäre der Raum für Spekulationen wesentlich geringer gewesen. Das die internen und externen Untersuchungen keinerlei Hinweise ergeben hätten, wäre um einiges glaubwürdiger gewesen. Somit ist Wirecard jetzt in der Bringschuld. Es bleibt der etwas fade Beigeschmack, dass Wirecard die Auffälligkeiten, die zweifelsohne da waren, vielleicht einfach unter den Teppich kehren wollte, wenn sich der Verdacht nicht bestätigt. Vielleicht hätte das im TecDax noch geklappt, im Rampenlicht der höchsten deutschen Börsenliga ist so etwas deutlich schwieriger, wie die Financial Times unter Beweis gestellt hat.

Analysten auf der Seite von Wirecard

Die Experten-Gemeinde springt dem Mobile-Payment-Experten zur Seite. Keiner glaubt das an den Vorwürfen etwas dran ist, keiner ändert seine Meinung und stuft das Papier ab. Zuletzt haben sie zwar teilweise moniert, dass Wirecard nicht mehr ganz so stark wächst, aber alles in Allem wurde der Dax-Konzern vor den Artikeln über den grünen Klee gelobt und auch nach dem ersten Artikel der Financial Times zum Kauf empfohlen. DZ-Bank: „Kaufen“ Fairer Wert 200 Euro – Warburg Research, „Buy“, Kursziel 210 Euro und Credit Suisse, „Outperform“, Kursziel 200 Euro.

100 Prozent Kurspotenzial

2016 haben wir die erste wirksame Short-Attacke auf Wirecard gesehen. Drei Jahre später haben jetzt ähnliche Vorwürfe den Kurs erneut abstürzen lassen. 2016 sackte die Aktie nach dem „Fake-Bericht“ auf fast 30 Euro ab. Anleger, die zu diesem Zeitpunkt eingestiegen sind, haben jetzt, trotz des heftigen Einbruchs der Aktie, immer noch ein Papier im Depot, dass sich mehr als verdreifacht hat.

Chart Wirecard -3 Jahre

Vielleicht schafft Wirecard dieses Kunststück ja aktuell noch einmal. Aber die Kursziele der Analysten würden auch schon reichen. Sollte die Aktie wieder zur Ruhe kommen und tatsächlich die Marke von 200 Euro erreichen, dann wäre das Papier um über 100 Prozent zugelegt. Trotz aller bisherigen Unannehmlichkeiten sind das keine schlechten Aussichten.

Von Markus Weingran

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Bild: Sergey Ryzhov/Shutterstock.com

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