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Bitcoin: Was geht vor im Mining-Sektor – Kapitulation oder Vorbereitung auf bald wieder goldene Zeiten? Größter Mining-Player Bitmain mit neuen Plänen

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Bitcoin: Was geht vor im Mining-Sektor – Kapitulation oder Vorbereitung auf bald wieder goldene Zeiten? Größter Mining-Player Bitmain mit neuen Plänen

Letztes Jahr um diese Zeit befand sich der Kryptomarkt in einer tiefen Depression, denn zwischen November und Dezember 2018 ist der Bitcoin von seiner lange gehaltenen Unterstützungszone von 6000 Dollar auf 3200 Dollar abgestürzt. Einer der damals vermuteten Gründe: Eine Kapitulation der Mining-Unternehmen, die aufgrund des anhaltenden Preisdrucks einen Teil ihrer Mining-Geräte vom Netz genommen haben und zudem vermehrt Bestände ihrer geschürften Bitcoins auf den Markt werfen mussten, um Kosten zu decken. Dies hatte, so die These, den negativen Preisdruck verstärkt und für den Crash in die 3000 Dollar Zone gesorgt. Anhand der folgenden Charts des BTC-Preises und der Hashrate sieht man den (möglichen) Zusammenhang:

Bitcoin-Preis und Hashrate der Bitcoin Blockchain (in TerraHash)   –    Quelle: onvista / blockchain.com


Die Hashrate beschreibt die Hardware, bzw. deren Rechenpower, die von den Minern aufgewendet wird, um die Blockchain zu betreiben, Transaktionen zu verarbeiten und in diesem Zuge neue Bitcoins zu schürfen. Je mehr Geräte am Netzwerk angeschlossen sind, desto höher die Hashrate.

Es gibt mittlerweile sogar einen Indikator, der in der technischen Analyse beim BTC-Preis seine Anwendung findet, den sogenannten „Hash Ribbon“, bei dem zwei gleitende Mittelwerte der BTC-Hashrate betrachtet werden: Der Mittelwert des jeweils letzten Monats und der der letzten zwei Monate. Es wird betrachtet, wie diese beiden sich zueinander verhalten, dabei gilt – Fällt der gleitende Mittelwert des letzten Monats unter den der letzten zwei Monate, spricht das dafür, dass das Aufstocken der Mining-Firmen deutlich abgebremst wurde, da weniger neue Hardware und somit Rechenpower in das Netzwerk gelangt sind. Dieses Kreuz der beiden Trendlinien, auch als Todeskreuz bezeichnet, ist also ein bärisches Signal.

Ein Ansteigen des gleitenden Mittelwerts des letzten Monats über den gleitenden Mittelwert der letzten zwei Monate spricht dann im Gegenzug dafür, dass die Mining-Firmen weiter aufrüsten - somit ein bullisches Signal, da die Mining-Industrie mit mehr Erträgen rechnet und deswegen weitere Geräte in Betrieb nimmt. Dies wird auch als goldenes Kreuz bezeichnet.


Im November haben die Trendlinien das Todeskreuz gebildet. Hier zu sehen die Reaktion von Hashrate und Preis       –        Quelle: onvista / blockchain.com


Die bärische Variante dieses Ereignisses, das Todeskreuz, ist zuletzt am 19. November eingetreten. Bereits seit September 2019 läuft die Hashrate-Entwicklung im Grunde quer. Seit dem Todeskreuz-Ereignis ist der Preis des Bitcoin von über 8000 auf in der Tiefe 6900 Dollar eingebrochen. In dem darauf folgenden Zeitfenster konnte er sich wieder über die Marke von 7000 Dollar kämpfen, läuft seitdem aber ebenfalls quer und unter der letzten Unterstützungszone, wie oben im Chart zu sehen. Im folgenden Tweet werden die beiden Trendlinien unter dem BTC-Preis aufgezeigt:

Link zum Tweet


Die Frage ist, ob im Mining-Sektor ein weiterer Rückgang zu erwarten ist, bzw. ob die Unternehmen zum Jahresende hin vermehrt ihre geschürften BTC-Erträge auf den Markt werfen, um die Jahresbilanz aufzupolieren, fällige Rechnungen zu begleichen und so weiter. Angesichts dessen, dass sich die Hashrate und somit die Menge an Hardware, die im Netzwerk steckt, auf einem absoluten Hoch befindet, könnte es sein, dass einige neu eingestiegene Unternehmen dem Druck nicht mehr gewachsen sind und sich zurückziehen müssen, nachdem sich die Erträge durch den Rückgang des BTC-Preises seit dem Sommer-Peak wieder stärker verringert haben (um etwa 50 Prozent seit dem Hoch von 13.700 Dollar).

Bitmain kämpft mit neuer Strategie um die Dominanz im Mining-Sektor

Es gibt jedoch auch einige Gründe, die für einen weiteren langfristigen Run im Mining-Sektor sprechen. Der größte Player der Mining-Branche, der chinesische Konzern Bitmain, hat jüngst den weiter wachsenden Druck offenbart, dem er durch die Konkurrenz ausgesetzt ist. In einem kürzlich abgehaltenen Meeting gab CEO Jihan Wu gegenüber seinen Mitarbeitern zu, dass die Marktbeherrschung von Bitmain in Bezug auf Mining-Geräte und die Hashrate von Mining-Pools während des gesamten Jahres gesunken ist.

Wer ist Bitmain?

Bitmain Technologies Ltd. ist ein Krypto-Mining-Unternehmen mit Hauptsitz in China und der weltgrößte Hersteller von speziell für das Mining konzipierten Microchips, den sogenannten ASIC-Minern (ASIC steht für application specific integrated circuit). CEO ist der ehemalige Finanzanalyst und Private Equity Manager Jihan Wu. Bitmain wurde in einer privaten Finanzierungsrunde mit 15 Milliarden US-Dollar bewertet.

Im Jahr 2018 gab es bereits den ersten Vorstoß ein IPO an der Börse Hongkong durchzuführen, es scheiterte jedoch wegen dem scharfen BTC-Preissturz im Laufe des Jahres 2018 und den dadurch aufgekommenen Sorgen der potenziellen Investoren. Im Oktober 2019 kamen Medienberichte auf, dass Bitmain einen weiteren Antrag auf ein Initial Public Offering in den USA bei der Securities and Exchange Commission (SEC) eingereicht haben soll.

Co-Mining, Kaufen auf Kredit und Preis-Sicherheit

Während einer Kundenveranstaltung in Chengdu, China am letzten Wochenende hat das Unternehmen drei neue Strategien vorgestellt, um die eigene dominante Stellung im Markt wieder mehr zu festigen.

Erstens will man den Kunden Käufe auf Kredit anbieten: Miner, die 100 bis 999 Mining-Geräte vorbestellen, sollen vorerst nur 50 Prozent des Preises bezahlen müssen. Größere Investoren, die über 5.000 Geräte kaufen, sollen zunächst sogar nur 20 Prozent des Gesamtpreises zahlen müssen.

Zweitens soll „Co-Mining“ angeboten werden, bei dem ein über ein Jahr laufender Leasing-Vertrag für Mining-Hardware mit dem Kunden abgeschlossen wird. Zur Miete angeboten werden die Hauptprodukte AntMiner S17 oder T17, Bitmain wird die Stromkosten für das ganze Jahr mit 0,35 Yuan (0,05 US-Dollar) pro Kilowattstunde decken, während die Betreiber der Geräte für die Instandhaltung verantwortlich sind. Im Gegenzug wird Bitmain 75 Prozent der Mining-Erträge behalten und die Betreiber sollen die verbleibenden 25 Prozent bekommen. Der Haken für die Kunden dabei: Sollte das Mining nicht rentabel sein, fließen die geschürften BTC zur Kostendeckung komplett an Bitmain. Der Erfolg des Modells hängt für die Kunden also stark vom BTC-Preis ab.

Drittens soll den Kunden Preis-Sicherheit angeboten werden, um die Bedenken von Mining-Investoren hinsichtlich der Preisvolatilität von Bitcoin zu zerstreuen, indem Put-Optionen an diejenigen vergeben werden, die Produktbestellungen in großen Mengen tätigen. Beispielsweise will das Unternehmen für Benutzer, die 1.000 Einheiten AntMiner S17 Pro im Wert von etwa 1,5 Millionen US-Dollar erwerben, 62 Put-Optionen mit Laufzeit bis Ende März im Wert von insgesamt einem Prozent des Bestellwerts anbieten. Mit jeder Verkaufsoption könnten Kunden am 27. März Bitcoin zu einem Preis von 5.000 Dollar verkaufen – und hätten somit bei niedrigeren Preisen eine Sicherheit, da es sich aber nur um eine Option handelt, müssten sie sie bei dann höheren Bitcoin-Preisen nicht wahrnehmen.

Ob die neuen Strategien von Bitmain Erfolg haben werden, wird sich dann wohl im Laufe des nächsten Jahres zeigen. Die Verlagerung ist jedoch ein Zeichen für eine Verschärfung des Wettbewerbs im Mining-Sektor. Bitmain geht zumindest fest davon aus, dass das im nächsten Jahr anstehende Bitcoin-Halving für einen neuen Preisschub und damit zu höheren Erträgen führen wird. Die Strategie mit den Put-Optionen ist ebenfalls ein Indiz dafür, da Bitmain die Kosten für diese Optionen tragen müsste, wenn der BTC-Preis bis zum Termin-Ende der Kontrakte unter 5000 Dollar fällt.

Wie ist der Mining-Sektor aufgestellt?

Das Mining-Geschäft läuft über mehrere sogenannte Mining-Pools. Das sind Gruppen von kooperierenden Mining-Unternehmen, die sich bereit erklären, Blockbelohnungen im Verhältnis zu ihrer eingebrachten Rechenpower (Hashrate) zu teilen. Mining-Pools sind für die meisten Mining-Unternehmen interessant, da sie die ausgeschütteten Erträge ausgeglichener und vorhersehbarer machen. Einzelne Akteure eines Mining-Pools können sich jederzeit dazu entscheiden, aus dem jeweiligen Pool wieder auszusteigen. Aufgrund der Bildung dieser Mining-Pools und der gebündelten Rechenpower ist es mittlerweile für Privatpersonen in der Regel nicht mehr erschwinglich Bitcoin-Mining zu betreiben, da die nötige Hardware und die Stromkosten viel zu teuer geworden sind. Es wird Stand heute hochspezialisierte Hardware benötigt, deren Stromkosten entsprechend hoch sind.

Mining-Pools sind auch ein genereller Kritikpunkt am Kryptosektor, da sie eine potenzielle Bündelung der Marktmacht darstellen. Bitmain beispielsweise betreibt zwei Mining Pools (AntPool und BTC.com) die zusammen für ca. 23 Prozent der gesamten Bitcoin-Blockchain verantwortlich sind. Zudem sitzen über 80 Prozent der Rechenleistung in China.

Zuletzt waren jedoch Tendenzen erkennbar, dass sich die Branche vermehrt in Richtung Nordamerika orientiert. Die Hintergründe dazu lesen Sie hier: Bricht in Nordamerika ein neuer digitaler Goldrausch aus? Mining-Unternehmen blicken gen Westen

Die weitere Aufteilung des BTC-Netzwerks sieht man in der folgenden Grafik (die als Schätzung und nicht als exakte Wiedergabe zu betrachten ist):

Quelle: blockchain.com


Hinter diesen Pools stecken diverse Firmen, die sich zusammengeschlossen haben. Beispielhaft kann man sich hier den F2Pool ansehen, hinter dem unter anderem diverse chinesische Mining-Unternehmen stecken. Bei den meisten Mining Pools ist es aber auch möglich, als Privatperson teilzunehmen.

Weitere Beispiele für Mining-Unternehmen wären zum einen der größte Konkurrent von Bitmain, Canaan Creative. Dies ist der zweitgrößte ASIC-Hersteller und spielt damit ebenfalls eine bedeutende Rolle in der Branche. Laut SEC-Anmeldung des Unternehmens erwirtschaftete das Unternehmen im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von 394 Millionen US-Dollar bei einem Nettogewinn von 8,3 Millionen US-Dollar. Canaan sammelte zudem beim Börsengang an der Nasdaq 90 Millionen US-Dollar und schloss bei 8,99 US-Dollar, ein Cent unter dem Ausgabe-Preis von 9 US-Dollar. Canaan hat seine Aktien am 21. November für die Öffentlichkeit zum Handel freigegeben, die unter dem Ticker CAN laufen. Seit dem IPO musste die Aktie jedoch einige Verluste verkraften.

Link zum Snapshot


Ein deutsches Beispiel wäre das Untenrehmen Northern Bitcoin. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt betreibt unter anderem einen Standort in Norwegen und plant eine umfassende Expansion. Am 1. Juli wurde über eine Pressemitteilung bestätigt, dass das Unternehmen von Bitmain und Canaan Creative 5.000 Mining-Geräte erworben hat.

Lesen Sie auch: Deutsche Bank zeichnet bullisches Szenario für Kryptowährungen in den nächsten 10 Jahren

Von Alexander Mayer

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Titelfoto: Jiap / Shutterstock.com

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