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Gefährliche Null- und Negativzinsen

Jessica Schwarzer

Das Ende der Nullzinspolitik ist nicht in Sicht. Immer mehr Sparern drohen Strafzinsen. Schlimmer ist aber, was die Geldpolitik der EZB mit unserer Altersvorsorge macht.

Gefährliche Null- und Negativzinsen

Für Kapitalmarktexperten kam es eigentlich wenig überraschend, dürfte für viele Vorsorgesparer aber dennoch ein Schock sein: Die Allianz hat die laufende Verzinsung ihrer klassischen Lebensversicherungen um 0,3 Prozentpunkte auf nur noch 2,5 Prozent gesenkt. Klingt erstmal nicht dramatisch, macht sich über Jahre und Jahrzehnte aber doch schmerzlich bemerkbar. Weitere schlechte Nachrichten dürften folgen. Jedes Jahr im Dezember legen die meisten deutschen Lebensversicherer fest, mit welcher Verzinsung die Lebensversicherten rechnen dürfen – Tendenz sinkend!

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank trifft vor allem konservative Anleger und Vorsorgesparer hart. Die Renditen schmelzen immer weiter zusammen. Weil die Deutschen bei der Altersvorsorge aber sehr vorsichtig anlegen –  es gibt noch immer mehr als 80 Millionen Lebensversicherungspolicen -, trifft sie die Zinsentwicklung doppelt und dreifach. Nennenswertes Vermögen für den Ruhestand aufzubauen, wird in einer zinslosen Welt immer schwieriger.

Und es kommt noch schlimmer: Immer mehr Sparer werden künftig wohl Strafzinsen zahlen müssen. Banken, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken – lange werden sie dem Druck wohl nicht mehr standhalten (können) und die Negativzinsen der EZB an ihre Kunden weiterreichen. Bislang schrecken mehr als 90 Prozent der rund 1300 Finanzhäuser in Deutschland davor zurück. Experten erwarten aber, dass sich das bald ändern wird. Immer mehr Häuser denken – teilweise laut – darüber nach, ihre Kunden zur Kasse zu bitten. Denn sie selber zahlen mittlerweile minus 0,5 Prozent, wenn sie über Nacht Geld bei der EZB parken. Das kostet sie Unsummen.

Schon heute machen Sparer Verluste, weil die homöopathisch niedrigen Zinsen auf ihren Tages- und Festgeldkonten, Sparbüchern und Girokonten längst nicht mehr die Inflation ausgleichen. Der Realzins ist negativ, die Kaufkraft ihres Ersparten sinkt. Kommen nun noch Strafzinsen dazu, wird der Verlust noch größer.

„Der Boden ist noch nicht erreicht“

Wer nun hofft, unter der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde wird alles besser, der wird garantiert enttäuscht. Das Gegenteil ist der Fall. Die Politik der Minuszinsen dürfte sich sogar noch verschärfen. Lagarde bereitet die Märkte sogar schon darauf vor: „Es gibt eine Grenze, wie weit und wie tief man in den negativen Bereich vordringen kann“, sagte sie vor kurzem in einem Interview. „Es gibt bei allem einen Boden, aber den haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erreicht.“ Das klingt nicht gut! Man möchte sich gar nicht vorstellen, was das für Altersvorsorge- und Sparprodukte bedeutet.

Die Angst vor Altersarmut ist schon heute groß, und angesichts dieser Aussichten ist sie auch berechtigt. Wer einen langen Anlagehorizont von zehn und mehr Jahren hat, sollte bei seiner Vorsorge fürs Alter unbedingt auch auf Aktien setzen. Sie mögen stärker schwanken als andere Anlageklasse, bringen langfristig aber auch die besseren Renditen. Ohne Aktien ist eine sinnvolle Altersvorsorge nicht mehr möglich. Zu dieser Einsicht gelangen hoffentlich auch die konservativsten Sparer bald. Denn einfach nur die Sparraten hochzufahren, macht nur noch begrenzt Sinn.

Foto: wsf-s / Shutterstock.com

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